Die Eifel – Leben mit dem Wind

Die wenig besiedelten Höhenzüge der Mittelgebirge im Westen Deutschlands bieten ideale Voraussetzungen für die Nutzung von Wind und Sonne ganz im Sinne grüner Energieerzeugung.
Mit rund 120 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Scheid ein typischer Eifelort: klein, verwurzelt in der Landwirtschaft, mit Sinn für Tradition und doch offen für Neues. Schaut man sich um, sieht man Felder und Wälder und eine Menge Windräder, die sich stetig drehen. Allein zwischen 1999 und 2007 sind ca. 36 Anlagen rund um Scheid entstanden. Sie gehören längst zum Landschaftsbild und sind eine der Haupteinnahmequellen der Gemeinde.
Auch die MLK ist seit zwei Jahrzehnten in der Vulkaneifel engagiert und hat insgesamt 14 Anlagen errichtet. In Scheid entstehen aktuell zwei neue Windkraftanlagen, die im Repowering vier ältere Anlagen mit über 25 Jahren Laufzeit ersetzen werden. Eine davon steht auf dem Land der Gemeinde. Die 245 m hohe Nordex N163 geht im Frühjahr 2026 ans Netz. An der Anlage ist die eegon – Eifel Energiegenossenschaft eG beteiligt, die erstmals eine Partnerschaft mit der MLK eingegangen ist.
Was treibt die Menschen an? Vor Ort treffen wir auf Kevin Schröder, Regionalleiter der MLK, Monika Seifen, Vorständin der eegon, sowie Klaus Ofer, Anteilszeichner an der neuen Windenergieanlage. Alle schauen aus unterschiedlichen Perspektiven auf das MLK-Projekt und haben doch einen gemeinsamen Fokus: die Windkraft in der Eifel weiter auszubauen.
Da haben alle was davon!
Das Regionalbüro der MLK in der Eifel liegt inmitten von Hügeln zwischen den Orten Hallschlag und Scheid, umringt von Windkraftanlagen. Für Kevin Schröder ist das ein normaler Anblick, wenn er aus der Tür tritt. Der Projektmanager lebt nur 20 km von Scheid entfernt, seine familiären Wurzeln liegen in Hallschlag. Die Eifel ohne Windkraft kennt er eigentlich nicht und beschreibt die Situation vor Ort so: „Die Windmühlen sind fast so alt wie ich selbst – der Anblick ist mir also von klein auf vertraut.“ Auch Monika Seifen bestätigt die Selbstverständlichkeit der Windenergie in der Region mit den Worten: „Windkraft in der Eifel – das ist wie Atmen.“
Sie engagiert sich seit 2017 in der eegon, einer Genossenschaft, die es den Menschen vor Ort ermöglicht, direkt von Erneuerbaren Energien zu profitieren. Ausgangspunkt war die Frage, wie die Gemeinschaft an der Nutzung der natürlichen Ressourcen der Region teilhaben kann. „Als die ersten Wellen der erneuerbaren Energieerzeugung aufkamen, haben wir uns gefragt: Kann nicht ein Teil der Erträge auch vor Ort bei den Menschen bleiben?“ Getrieben von dieser Idee entstand die Genossenschaft, die heute über 1.300 Mitglieder zählt.
Wenn zwei die gleiche Sprache sprechen
Obwohl die MLK schon lange in der Eifel aktiv ist, arbeitet sie jetzt erstmalig mit der eegon zusammen. Dabei wird genau geprüft, ob eine Zusammenarbeit passt, denn wie Monika Seifen erklärt: „Wir werden immer wieder auf Kooperationen angefragt, aber schauen genau hin, ob es passt.“ Als die MLK ein Büro in Scheid eröffnete, war das Interesse sofort da: „Nachdem wir uns getroffen hatten, war schnell klar: Das geht!“ Entscheidend sei auch die regionale Verbundenheit, denn „er ist selbst Eifeler – wenn wir nicht die gleiche Sprache sprechen, wer dann?“
Als Regionalleiter ist Kevin Schröder viel unterwegs und im engen Austausch mit Kommunen, Planern, Unternehmen und Flächeneigentümern. Insgesamt betreut er zehn Anlagen in der Region, die im Repowering-Verfahren umgesetzt werden. Dabei werden bestehende Anlagen erneuert, ohne zusätzliche Flächen zu erschließen. „Wir bauen die Anlagen faktisch einmal ab und wieder neu auf, die Standorte bleiben dabei fast die gleichen.“
Energie aus Wind: lohnt sich einfach doppelt
Neben der Energieerzeugung profitieren auch die Menschen vor Ort. Über die eegon können sich Bürgerinnen und Bürger finanziell beteiligen und werden so Teil des Projekts. „Die Bürger selbst, die sich über die eegon beteiligen, werden Teil des Projekts“, erklärt Monika Seifen und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „So manch einer sagt dann schon mal: Jetzt weiß ich, warum sich das Windrad dreht!“
Klaus Ofer, der seit 1988 in der Eifel lebt, hat sich selbst beteiligt und sieht darin einen wichtigen Schlüssel für Akzeptanz: „Die Leute müssen finanziell was von der Energiewende haben, dann machen sie auch mit!“ Er kennt die Energieerzeugung aus unterschiedlichen Perspektiven – aus dem Kohleabbau und aus der Arbeit in Kernkraftwerken. Heute steht auf einem seiner Grundstücke bereits eine Windenergieanlage, die ihm Pachteinnahmen bringt. Durch seine Beteiligung profitiert er nun zusätzlich direkt von den Erträgen.
Und die Gemeinde? Zahlt sich aus!
Nicht nur Einzelne profitieren von der Windkraft, sondern ganze Gemeinden. Klaus Ofer bringt es auf den Punkt: „In Scheid profitiert die ganze Gemeinde vom Wind.“ So zahlen Eltern seit Jahren keine Kitagebühren mehr, die Grundsteuer wurde zeitweise erlassen und die Gewerbesteuer stabil gehalten.
Auch gesetzliche Regelungen unterstützen diese Entwicklung. Kevin Schröder erklärt: „Laut § 6 des EEG können Kommunen 0,2 Cent pro erzeugte Kilowattstunde erhalten.“ Auch wenn das zunächst wenig klingt, summiert sich der Betrag über das Jahr hinweg deutlich: „Das klingt wenig, aber über das Jahr gesehen kommt da eine ganze Menge zusammen.“ Die MLK beteiligt die Gemeinden bewusst an den Einnahmen, auch wenn es sich formal um eine freiwillige Leistung handelt: „Es ist eine freiwillige Leistung, wenn auch gesetzlich geregelt.“
Alles im grünen Bereich
Für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien ist Vertrauen entscheidend. Monika Seifen betont: „Es braucht eben Vertrauen und das wiederum benötigt Zeit.“ Gleichzeitig müssen Genossenschaften sorgfältig prüfen, welche Projekte langfristig sinnvoll sind. Steigende Flächenpreise und unsichere Marktbedingungen stellen dabei Herausforderungen dar. Umso wichtiger ist Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit: „Was gesagt wird und was passiert, muss übereinstimmen.“ Deshalb seien starke Partnerschaften vor Ort entscheidend: „Deshalb sind uns vertrauenswürdige Partnerschaften vor Ort besonders wichtig.“
Bürger. Energie. Gemeinschaft: So wächst die Energiewende in der Eifel nicht nur durch Wind und Sonne, sondern vor allem durch die Menschen, die sich mit Engagement dafür einsetzen.



